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Dienstag, 13. September 2016

Fleisch- und Schokoladenhunger


Was geschieht, wenn man in einer Stadt gefüllte Einkaufswagen herumstehen lässt?

Die Welt im EinkaufswagenIn Winterthur geschah Folgendes an der Ausstellung "Die Welt im Einkaufswagen" von der Organisation Public Eye: Obwohl alle ausgestellten Lebensmittel Imitate waren, und obwohl alle Einkaufswagen mit einer Plexiglasscheibe zusätzlich gesichert wurden, versuchten Personen an deren Inhalt zu kommen.

Besonders angetan hatten es den Leuten die beiden Wägelchen mit Schokolade und Fleisch. Bei der Schokolade verschwanden viele der in Schokoladepapier eingepackten Holztafeln. Sie wurden zwischen den Gitterstäben herausgeklaubt. Und beim Wägelchen mit den Fleischimitaten wurde gar die Plexiglasscheibe eingeschlagen und der Inhalt gestohlen.

Fleisch und Schokolade. Schweizer wissen, was gut ist. Dass Kakaobäuerinnen und -bauern einen Durchschnittslohn haben, der viermal tiefer ist als die 2 Dollar pro Tag, welche die Armutsgrenze markieren, wird meist ausgeblendet.
Und dass man mit dem Wasserverbrauch für ein Kilo Rindfleisch 486 mal Duschen könnte (für ein Kilo Getreide reicht es für 42 mal Duschen), ist einem auch wenig bewusst.

Fleisch und Schokolade lassen viele Menschen hungrig und durstig zurück, wie die geklauten Imitate aus den Einkaufswagen in Winterthur.


Zur Aktion "Die Welt im Einkaufswagen" siehe https://www.publiceye.ch/de/events/die_welt_im_einkaufswagen/



Ein Beitrag für "Kirche und Welt", 10/2016

Mittwoch, 10. August 2016

"Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben" - Eine Stellungnahme zur Initiative "Grüne Wirtschaft"

(c) 2016 - Jörg Niederer - Durch Unwetter unterspühlte Strasse bei Schindellegi
Ausschuss "Kirche und Gesellschaft", André Töngi

Eindrücklich zeigt die Schöpfungsgeschichte im ersten Kapitel der Bibel die Liebe Gottes zu uns Menschen, aber auch zu unserer Mitwelt. Immer wieder wird der Text unterbrochen durch ein "und Gott sah, dass es gut war". Als Gott sein Werk vollendet hat, findet er das Ganze sogar sehr gut.

Gott liebt uns so sehr, dass er uns die Verantwortung über die Schöpfung übertragen hat. Leider hat der Mensch dieses "macht euch die Erde untertan" völlig missverstanden. Vor allem der Westen lebt über seine Verhältnisse auf Kosten anderer. Wenn alle Menschen auf der Welt den gleichen Lebensstil wie die Schweizer Bevölkerung hätten, bräuchte es drei Planeten, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Die  vielen Naturkatastrophen  in den letzten Jahren sind ein Zeichen, dass die Welt  aus den Fugen gerät. Wir sind aufgefordert, sie wieder ins Lot zu bringen. 

Am 25. September stimmt das Schweizer Volk über die Initiative für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft) ab. Verlangt wird, dass der ökologische Fussabdruck bis zum Jahre 2050 auf eine Erde reduziert wird. Erreicht werden soll dieses ehrgeizige Ziel über eine Förderung der Forschung, Innovation und Vermarktung von wirtschaftlich nachhaltigen Projekten und Aktivitäten. Daneben sollen mit finanziellen Anreizen und Steuerungsmassnahmen nachhaltige Projekte gefördert werden. 

Der Ausschuss "Kirche und Gesellschaft" unterstützt diese Volksinitiative. In den Sozialen Grundsätzen bekennt sich die EMK zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung: Die ganze Schöpfung gehört dem Herrn und wir sind für die Art und Weise verantwortlich, in der wir sie brauchen und missbrauchen. (Soziale Grundsätze 160. I. Die natürliche Welt)
Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige, grüne Wirtschaft neue Arbeitsplätze schafft. Es braucht Fabriken, die Solarpanels fabrizieren; Baufirmen erhalten für die Isolierung von alten Gebäuden viele neue Aufträge. Eine biologische Landwirtschaft schont die Natur. Bauern erhalten dafür ein existenzsicherndes Einkommen. Der Erfinderreichtum, der die Schweiz in den letzten Jahrhunderten auszeichnete, erhält neuen Auftrieb.

Nicht diese Initiative schränkt unseren Alltag ein, wie von den Gegnern behauptet wird. Es sind die durch Menschen verursachten Naturkatastrophen, die ganze Dörfer verwüsten und unermessliches Leid verursachen und immense wirtschaftliche Schäden verursachen.


Freitag, 1. Juli 2016

Religion und Social Media

Religion and Social Media
In den sozialen Medien ist die Hemmschwelle tiefer. Man getraut sich Dinge zu sagen oder zu zeigen, die man sonst verborgen hält. So ist man in der Anonymität des Internets auch schneller bereit, Christliches, Islamisches, Buddhistisches von sich zu geben. Manche dieser "Zeugnisse" sind banal, andere nachdenkenswert.

Wie im Alltag will auch in den sozialen Medien niemand missioniert werden. Anders als im Alltag wollen aber viele in den sozialen Medien missionieren. Folglich reden alle, und niemand hört wirklich zu. Der Glaube im Internet ergibt kein Bild, sondern ein religiöses Pixelrauschen.

Untersuchungen legen nahe, dass Personen, welche die sozialen Medien verwenden, sich eher eine individuelle Religion basteln. Das ist erklärbar. Schliesslich sind die sozialen Medien ein Selbstbedienungsladen. Liken oder vergessen. Warum soll ich das nicht auch bei den religiösen Erkenntnissen der Internetsociety tun? Fragt sich jetzt nur: Ist das denn wirklich so schlimm? Was meinen Sie?

Ich beobachte es immer wieder. Menschen beginnen beglückt zu lächeln, während sie auf ihr Mobiltelefon schauen. Social Media als Glücksbringer. Noch eine andere Art von Religiosität. Evangelium. Gute Nachricht.

Erschienen in "Kirche und Welt", 7/2016

Mittwoch, 1. Juni 2016

La base inconditionnelle

Rekord Genf - Bedingungsloses Grundeinkommen
La question de la base inconditionnelle c’est en même temps la question de comment on veut vivre et une question des valeurs. Dans la discussion de la base inconditionnelle on doit se poser la question pourquoi on vit. Est-ce que on vit justement pour travailler ou est-ce que la vie est plus que le travail et l’argent ?

Moi, je pense que la vie ne consiste pas uniquement dans le travail et l’argent. Au contraire l’argent c’est nul. On ne peut ni le manger, ni le boire. En fait on peut dire que la seule chose qu’on peut faire avec l’argent c’est l’utiliser comme papier cul. Mais aujourd’hui l’argent a une valeur imaginaire immense. Pour presque tout le monde l’argent est la chose la plus importante. Mais en vérité l’argent est juste un moyen pour obtenir des choses. Pour être plus exact un moyen pour devenir heureux.

Mais comment est-ce que la base inconditionnelle peut aider à devenir heureux ? En donnant aux gens l’argent pour survivre, pour combler les besoins élémentaires. N’est-ce pas le devoir principal d’un état d’offrir la satisfaction à toute la population ? Et c’est possible avec la base inconditionnelle même de façon responsable parce que les gens décident ce qu’ils veulent faire avec l’argent ou s’ils ont besoin de plus. La base inconditionnelle est une réclamation extrêmement libérale. Ça donne de la liberté et aussi de la responsabilité. À cause de ça c’est même une proposition du siècle des lumières.

Et ça n’était pas le seul avantage il y en a plusieurs. Par exemple on peut fermer beaucoup d’institutions comme l’AVS ou la caisse de chômage. En faisant ça on peut économiser beaucoup dans l’administration et utiliser l’argent pour les hommes.

Mais je dois admettre qu’une base inconditionnelle crée des problèmes quand même. Le problème le plus sévère c’est que personne ne sait si un état peut fonctionner avec une base inconditionnelle. Est-ce que les gens travailleraient quand même s’ils ont 2500 francs sans travailler ? Et là la question de début fait son apparition : Est-ce que les gens travaillent justement pour l’argent ? Non, ils travaillent pour l’argent parce qu’ils en ont besoin. Mais s’ils ont l’argent ils travaillent quand même mais plus motivés parce que ils travaillent pour faire quelque chose, pour créer quelque chose.

Un autre problème c’est le problème du financement. Comment on peut payer toutes ces bases ? Qui les paye ? À mon avis l’idée d’une redistribution du revenu peut fonctionner pour l’argent qui n’est pas couvert par l’argent des caisses sociales. Ça veut dire qu’on a un revenu non taxé de – disons 8000 francs. Si quelqu’un à un revenu plus bas, il obtient une taxe négative – alors il obtient un peu d’argent. Si quelqu’un a plus du revenu il doit payer une taxe pour financer la taxe négative. Parce que la satisfaction d’une personne s’aplatit le plus haut le revenu est ça produit le maximum de la satisfaction.

Mais qu’est-ce qui se passe si les gens avec un revenu très haut ne veulent pas payer pour un système comme ça ? Alors un état est une association d’hommes qui veulent travailler ensemble pour le bien de tout – pour citer les mousquetaires (et la devise officielle de la Suisse) : « Un pour tous, tous pour un. » Alors si quelqu’un veut exploiter l’état et ne redonne rien il peut, non il doit partir. Dans un état trop d’égoïstes détruisent l’état.

Pour finir je veux dire que la base inconditionnelle est une utopie et aucune utopie n’a eu de succès aussitôt. Mais elles sont quand même importantes même s’elles ne sont pas réalisées parce qu’on doit réfléchir à ça condition du moment.

Ramun Niederer besucht die Pädagogische Maturitätsschule und politisiert bei den Jungen Grünen.

Zu Themen von Kirche und Gesellschaft an der Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika

Bei den Arbeitsbereichen von Kirche und Gesellschaft gibt es viele Überschneidung. Wir müssen uns oft mit den scheinbar gleichen Fragen auseinandersetzen. Dabei gibt es aber auch neue Nuancen zu entdecken. Wie in Beziehungen zu anderen Menschen müssen wir auch beim Nachdenken über Kirche und Gesellschaft unsere christliche Verpflichtung für Frieden und Gerechtigkeit immer wieder bejahen.

Ein solcher „Dauerbrenner“, den der Ausschuss für Kirche und Gesellschaft an der Tagung der Jährlichen Konferenz thematisieren will, ist das Thema Migration. Die Stellungnahme, die der Tagung vorliegen wird, betont die Herausforderung, die aktuelle Lage genau anzuschauen und differenziert zu verstehen. Das sollte die Grundlage sein für unser Handeln. Die Herausforderung ist gross, denn es gibt viele konkurrierende Lagebeschreibungen und Verständnisse, die uns vereinnahmen wollen. Darum bleibt es wichtig, uns an der guten Nachricht, die wir aus dem Leben Jesu hören, und an der methodistischen Tradition zu orientieren.

Ein anderes altes Thema, zu dem wir uns wieder bekennen müssten, hat Gerhard Schöne in den 80er Jahren so ausgedrückt:
"Wohl denen, die da wagen ein 'Nein' zu rechter Zeit,
nicht 'Ja' und 'Amen' sagen zu Bombensicherheit."
(Aus: Gerhard Schöne, „Wohl denen, die da wagen“, S. 213 in Himmelweit: das junge liederbuch. 2008. Jugendwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche, Gerth Medien GmbH.)
Heute würden wir vielleicht eher von "Drohnen-" oder "Grenzzaunsicherheit" sprechen. Aber was gleich bleibt, ist die Frage, wie wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu Christi  Nein oder Ja sagen, wenn erst der Militärhaushalt aufgestockt wird und am nächsten Tag Gelder, die andeutungsweise zu Solidarität und Gerechtigkeit beitragen, gestrichen werden. Dieses Thema liegt allerdings der Tagung der Jährlichen Konferenz nicht zur Verhandlung vor.

Als Kirche in einer konkreten Gesellschaft müssen wir unser Ja und Nein zu verschiedenen Themen finden. Das tun wir immer mit der Anerkennung, dass wir in einer Welt leben, welche die uns sichtbaren, bestimmbaren Grenzen übersteigt. Und wir tun es mit Demut, weil wir nie das Gute tun, sondern immer vorläufig das Beste, das wir erkennen. Die Ergebnisse vertrauen wir Gott an.

Erschienen in "Kirche und Welt", 6/2016

Montag, 23. Mai 2016

Eine etwas andere Betrachtung zum bedingungslosen Grundeinkommen

Mit seinem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20.1-15 in der Übersetzung von Hoffnung für alle) mutet Jesus einem sehr viel zu:

"Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb. Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: 'Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?' 'Uns wollte niemand haben', antworteten sie. 'Geht doch und helft auch noch in meinem Weinberg mit!', forderte er sie auf.
Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: 'Ruf die Leute zusammen, und zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!' Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn. Da beschwerten sie sich beim Weinbauern: 'Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!' 'Mein Freund', entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, 'dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie dir. Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?'"

Bei diesem Gleichnis sind sich der Gerechtigkeitsfanatiker und der Wirtschaftsliberale für einmal einig: Das geht nicht! Wo kämen wir denn hin, wenn Leistung nicht gerecht entlöhnt wird. Wo bestände da der Anreiz zum Arbeiten, das ganze wirtschaftliche Erfolgsrezept würde über den Haufen geworfen. 

Es braucht einen Perspektivenwechsel, um die Geschichte verstehen zu können. Es tauchen Arbeiter auf, die arbeitslos waren, die aus Gründen, die hier nicht stehen, beim ersten Mal nicht zum Zuge kamen. Vielleicht waren es ältere, die zu langsam waren, um in der ersten Reihe zu stehen oder sie hatten andere, für sie wichtigere Aufgaben zuerst zu erledigen. Und die Arbeiter, die der Verwalter am späten Nachmittag vorfindet, erklären, niemand wolle sie haben. Sie tönen resigniert, vielleicht ist es nicht das erste Mal, sie sind, um es neudeutsch zu sagen, schwer vermittelbar, die Gründe sind vielseitig. Aber Jesus meint, sie würden in dieser kurzen Zeit gleich viel leisten, als die anderen, ja möglicherweise sogar mehr. Wer schon einmal einem körperlich behinderten Menschen zugeschaut hat, wie schwer ihm selbst das Schuhe binden fällt, weiss, was hier gemeint ist. Wie schnell disqualifizieren wir Menschen, die gar nichts dafür können.

Szenenwechsel: Am 5. Juni stimmen wir über das bedingungslose Grundeinkommen ab. Jede und jeder soll einen Betrag erhalten, man spricht von 2500.- Franken, so will es die Initiative, einfach so. Und auch hier sind sich Gewerkschafter und Wirtschaftsturbos für einmal einig: Das geht doch nicht! Die einen fordern, man müsse den Menschen Arbeit geben, statt Almosen, in diesem Falle, einen bedingungslosen Betrag. Die andern fürchten einen Zusammenbruch der Wirtschaft. Das geht nun wirklich nicht, dass man fürs Nichtstun noch Geld erhält. 

Doch auch in der reichen Schweiz gibt es Menschen, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind. Sie beziehen eine IV-Rente, sind zu jung oder zu alt für die Arbeit. Zwar haben wir im Vergleich zu Europa eine tiefe Arbeitslosigkeit, aber auch nur, weil die Statistik schöngefärbt wird. Ausgesteuerte tauchen in dieser Statistik zum Beispiel nicht auf, wer nur in einem kleinen Pensum arbeitet, obwohl er mehr möchte, ebenfalls nicht. 

Sicher, das bedingungslose Einkommen ersetzt die ganzen Renten nicht, aber sie schafft fürs erste eine Erleichterung. Wer schon einmal mit den IV- und Arbeitslosenbehörden zu tun gehabt hat, weiss, wie mühsam der Umgang mit der Behörde ist. Es kommt oft auch auf den Berater an, ob man mehr oder weniger erhält. Mit diesem Grundeinkommen werden die ersten Ungleichheiten bekämpft.

Und auch der Vorwurf an diese Initiative, niemand wolle dann mehr arbeiten, zeugt von einer kurzfristigen Denkweise. Eher müsste man sich in diesem Falle überlegen, die Mindestlöhne zu erhöhen, die Arbeit attraktiver zu gestalten. 

Auch hier braucht es einen Perspektivenwechsel, um die Vorteile dieser Initiative zu erkennen: Das bedingungslose Grundeinkommen verschafft einem Zeit, und plötzlich tauchen kreative Ideen auf, wie man diese sinnvoll einsetzen kann. Nicht nur der Kirche, auch viele anderen Institutionen fehlen die freiwilligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Es ist doch so, viele wählen heute aus wirtschaftlichen Gründen die Arbeit an der Kasse statt die Mithilfe an einem Altersnachmittag, um es einmal salopp zu sagen. Es wäre auf alle Fälle eine Anerkennung an die Freiwilligenarbeit. 

Gewiss, diese Initiative hat noch viele Fragezeichen, ist mehr ein Denkanstoss, denn eine ausgegorene Idee. Aber ich finde sie wichtig. Wir brauchen, gerade aus christlicher Sicht immer wieder Visionen, neue Ideen für eine gerechtere Welt. Viele regen sich auf, weil die Initianten ein bedingungsloses Einkommen fordern; wo bleiben diese Stimmen, wenn es um Steuerhinterziehung, Waffenhandel und andere dubiosen Geschäfte geht?

Und vielleicht wird das Grundeinkommen schneller eingeführt, als es den meisten Gegner lieb ist. Führende Wirtschaftsökonomen prophezeien einen rapiden Arbeitsplatzverlust in den nächsten Jahrzehnten. Immer mehr Maschinen übernehmen die Arbeit: Selbstfahrende Autos ersetzen Taxis, Computer dringen in Bereiche ein, von denen wir heute glauben, das können nur Menschen erledigen. Wie gehen wir mit dieser Herausforderung um?


Sonntag, 1. Mai 2016

Lebensbejahende Energie

Pfingsten - Die Ausgiessung des Heiligen GeistesRuach, Ruach
Heiliger Geist, komm
schenk uns deine lebensbejahende Energie,
reiss uns aus unserer Lethargie, 
Ängstlichkeit und Mutlosigkeit.

Ruach, Ruach
Windsturm, trag uns fort,
von festgefahrenen Wegen, Sachzwängen
und dem müden Alltagstrott
bring uns zu unseren Träumen und Visionen.

Ruach, Ruach
Windhauch, tröste uns
trockne unsere Tränen
versprühe deine Zärtlichkeit
in den Hass dieser Welt. 

Ruach, Ruach
Du Heiliger Geist,
mal stark wie ein Windsturm,
mal leise wie ein Windhauch,
Du bist der Atem Gottes.
Amen.

Erschienen in "Kirche und Welt", 5/2016